Grab — welch ein Wort! Gibt es ein zweites, das wuchtiger trifft, schauriger, zermalmender, erstarrender?Tod — — man kann tot sein und noch im warmen Bette liegen, umgeben von den lieben, teuren Angehörigen — tot sein und beschienen werden vom Licht und Blau der Welt, gefächelt werden von Luft und Atemzügen der Lebenden, geküßt werden, umarmt, angeredet.Aber Grab — dieses schwarze, hohle Loch ins ...
Hugo Bertsch - Die Geschwister
Die Geschwister
Hugo Bertsch
161
Beschreibung
Grab — welch ein Wort! Gibt es ein zweites, das wuchtiger trifft, schauriger, zermalmender, erstarrender?Tod — — man kann tot sein und noch im warmen Bette liegen, umgeben von den lieben, teuren Angehörigen — tot sein und beschienen werden vom Licht und Blau der Welt, gefächelt werden von Luft und Atemzügen der Lebenden, geküßt werden, umarmt, angeredet.Aber Grab — dieses schwarze, hohle Loch ins Jenseits hinüber, durch das keiner zurückkriecht, und rauchte am andern End' die Hölle. Wer da hinuntersaust am schnurrenden Seil, im zugenagelten Sarg, und dann Scholle auf Scholle den Marsch trommelt, bis es stiller wird, dumpfer, immer dumpfer, so grabesstill, daß nichts mehr gehört wird in der schaurigen Höhle als der Erde blähendes Verdauen.
