August Strindberg - Das rote Zimmer
Das rote Zimmer
August Strindberg
Beschreibung
Es war ein Abend Anfang Mai. Der kleine Park auf Mosebacke war für das Publikum noch nicht geöffnet, und die Beete waren noch nicht umgegraben; die Schneeglöckchen hatten sich durch die Laubansammlungen des Vorjahres hindurchgearbeitet und waren gerade im Begriff, ihre kurze Laufbahn abzuschließen, um den empfindlicheren Krokus Platz zu machen, die unter einem unfruchtbaren Birnbaum Schutz gesucht hatten; der Flieder wartete auf südliche Winde, um aufzublühen, aber die Linden boten den Buchfinken, die ihre mit Flechten bekleideten Nester zwischen Stamm und Ast zu bauen begonnen hatten, in ihren unaufgesprungenen Knospen noch Liebesdecken; noch hatte kein menschlicher Fuß die Kieswege betreten, seit der Schnee des letzten Winters verschwunden war, daher führten Tiere und Blumen ein sorgloses Leben in diesem Park. Die Spatzen sammelten allen möglichen Plunder, den sie dann unter den Dachpfannen der Navigationsschule versteckten; sie schleppten sich mit Stücken von den Raketenhülsen vom letzten Herbstfeuerwerk, sie lasen Strohhalme von den jungen Bäumen, die im Jahre vorher aus der Baumschule in Rosendal gekommen waren und — sie sahen alles! Sie entdeckten Mullfetzen in Lauben und holten auch wohl zwischen den Splittern eines Bankfußes Haarbüschel von Hunden hervor, die sich seit dem Josephinentage im vorigen Jahr nicht mehr hier gebalgt hatten. Das war ein Leben!
